Bin ich zu anspruchsvoll bei der Partnersuche
Hohe Ansprüche bei der Partnersuche sind nicht grundsätzlich ein Problem. Schwierig wird es dann, wenn aus berechtigten Wünschen eine so lange Liste an Bedingungen entsteht, dass kaum noch ein Mensch eine echte Chance bekommt. Gerade bei der Partnersuche ab 50 oder 60 lohnt es sich deshalb, zwischen dem zu unterscheiden, was für eine glückliche Beziehung wirklich wichtig ist – und dem, was lediglich eine Vorstellung vom perfekten Partner ist.
Nach über 33 Jahren in der persönlichen Partnervermittlung erlebe ich immer wieder Menschen, die sehr genau wissen, wen sie suchen. Das ist zunächst einmal etwas Positives. Wer Lebenserfahrung gesammelt hat, kennt sich selbst meist besser als mit 25 und weiß, was ihm in einer Beziehung wichtig ist.
Gleichzeitig stelle ich aber auch fest: Mit zunehmender Lebenserfahrung werden die Vorstellungen manchmal immer konkreter. Und irgendwann stellt sich die Frage:
Bin ich vielleicht zu anspruchsvoll bei der Partnersuche?
Hohe Ansprüche oder unrealistische Erwartungen?
Es gibt Ansprüche, über die man nicht verhandeln sollte. Respekt, Verlässlichkeit, gegenseitiges Interesse, ähnliche Werte und ein wertschätzender Umgang gehören für mich dazu.
Etwas anderes sind sehr konkrete Vorstellungen darüber, wie der zukünftige Partner sein soll.
Er oder sie soll beispielsweise eine bestimmte Körpergröße haben, sportlich sein, einen bestimmten Bildungsstand besitzen, nicht zu weit entfernt wohnen, ähnliche Hobbys haben, finanziell unabhängig sein und natürlich auch optisch genau den eigenen Vorstellungen entsprechen.
Jeder einzelne Wunsch mag nachvollziehbar sein. In der Summe entsteht jedoch schnell ein Partner, den es möglicherweise nur sehr selten gibt.
Und selbst wenn es ihn gibt, bleibt noch eine entscheidende Frage:
Sucht dieser Mensch wiederum genau mich?
Partnersuche funktioniert schließlich in beide Richtungen.
Warum werden wir mit zunehmendem Alter manchmal anspruchsvoller?
Wer mit 50, 60 oder 70 einen neuen Partner sucht, beginnt nicht bei null.
Wir bringen Erfahrungen mit. Gute und schlechte Beziehungen, Trennungen, vielleicht eine Scheidung oder den Verlust eines Partners. Wir wissen inzwischen sehr genau, was wir nicht noch einmal erleben möchten.
Das ist verständlich.
Aus Erfahrung kann aber auch eine immer stärkere Vorauswahl entstehen. Aus „Das möchte ich nicht noch einmal erleben“ wird irgendwann „Das kommt für mich grundsätzlich nicht infrage“.
Hinzu kommt: Viele Menschen haben sich ihr Leben eingerichtet. Sie haben ihren Freundeskreis, ihre Wohnung oder ihr Haus, ihre Reisen, Hobbys und Gewohnheiten. Ein neuer Partner soll dieses Leben bereichern – möglichst ohne allzu viel davon zu verändern.
Aber eine Beziehung bedeutet immer auch Bewegung.
Wer einen Menschen wirklich in sein Leben lassen möchte, muss bereit sein, zumindest an einigen Stellen Platz für etwas Neues zu schaffen.
Die Wunschliste bei der Partnersuche
Ich finde Wunschlisten nicht grundsätzlich schlecht. Im Gegenteil: Es ist wichtig zu wissen, was man sucht.
Ich empfehle jedoch, die eigenen Vorstellungen einmal in drei Kategorien einzuteilen:
Was ist unverzichtbar?
Dazu können ähnliche Werte, Verlässlichkeit, gegenseitige Anziehung oder ein respektvoller Umgang gehören.
Was wäre schön?
Vielleicht gemeinsame Interessen, ein bestimmter Lebensstil oder räumliche Nähe.
Was ist eigentlich nur eine Vorstellung?
Eine bestimmte Körpergröße, Haarfarbe, ein konkreter Beruf oder ein eng definiertes Alter können dazugehören.
Diese Unterscheidung kann bei der Partnersuche enorm helfen.
Denn häufig scheitert eine mögliche Begegnung nicht an den wirklich wichtigen Dingen, sondern bereits an Kriterien aus der dritten Kategorie.
Muss der neue Partner meinem bisherigen Partner ähneln?
Gerade nach langen Beziehungen passiert etwas Interessantes: Manche Singles suchen unbewusst eine Art verbesserte Version des früheren Partners.
Andere machen genau das Gegenteil und schließen alles aus, was sie an die vergangene Beziehung erinnert.
Beides kann die Partnersuche unnötig einschränken.
Ein neuer Mensch muss nicht in das alte Beziehungsmuster passen. Vielleicht funktioniert eine zukünftige Partnerschaft gerade deshalb, weil dieser Mensch ganz anders ist als diejenigen, in die man sich früher verliebt hat.
Das gilt übrigens auch für Äußerlichkeiten.
Ein Foto kann Sympathie vermitteln. Es kann aber nicht zeigen, wie ein Mensch lacht, spricht, zuhört oder welche Ausstrahlung er im persönlichen Kontakt entwickelt.
Deshalb halte ich die persönliche Begegnung bei der Partnersuche für so wichtig.
Partnersuche ab 50: Darf ich trotzdem hohe Ansprüche haben?
Natürlich.
Niemand sollte mit einem Menschen eine Beziehung eingehen, nur um nicht allein zu sein.
Ansprüche zu haben und kompromissbereit zu sein, widerspricht sich nicht.
Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Beziehen sich meine Ansprüche auf die Qualität einer Beziehung – oder auf die Ausstattung eines Menschen?
Ich darf erwarten, respektvoll behandelt zu werden.
Ich darf mir Verlässlichkeit wünschen.
Ich darf jemanden suchen, mit dem ich lachen und sprechen kann.
Ich darf körperliche Anziehung wichtig finden.
Aber muss dieser Mensch zusätzlich 1,85 Meter groß sein, Akademiker sein, Tennis spielen, maximal 20 Kilometer entfernt wohnen und exakt fünf Jahre älter oder jünger sein?
Je mehr Bedingungen wir miteinander kombinieren, desto kleiner wird selbstverständlich die Auswahl.
Auch Altersgrenzen können die Partnersuche unnötig erschweren
Gerade das Alter ist ein gutes Beispiel.
Viele Singles geben bei der Partnersuche einen sehr engen Altersrahmen an. Dabei sagt eine Zahl allein erstaunlich wenig darüber aus, wie ein Mensch lebt.
Zwei Menschen mit 60 können vollkommen unterschiedlich sein. Der eine möchte möglichst viel Ruhe und Beständigkeit, der andere plant gerade die nächste Fernreise und beginnt ein neues berufliches Projekt.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf das Geburtsdatum zu schauen, sondern auf den Menschen dahinter.
Entscheidend ist nicht allein:
Wie alt bist du?
Viel interessanter ist:
Wie möchtest du die kommenden Jahre leben?
Bin ich zu anspruchsvoll? 7 Fragen für die Partnersuche
Wer sich unsicher ist, kann sich selbst einige Fragen stellen:
- Welche drei Eigenschaften sind mir bei einem Partner wirklich unverzichtbar?
- Welche meiner Kriterien haben tatsächlich Einfluss auf eine glückliche Beziehung?
- Welche Wünsche betreffen hauptsächlich Äußerlichkeiten oder gesellschaftlichen Status?
- Lehne ich Menschen sehr schnell ab, bevor ich sie persönlich kennengelernt habe?
- Suche ich unbewusst nach einem perfekten Menschen?
- Bin ich bereit, mein bestehendes Leben für eine neue Beziehung auch ein Stück weit zu verändern?
- Würde ich selbst sämtliche Anforderungen erfüllen, die ich an mein Gegenüber stelle?
Gerade die letzte Frage kann sehr aufschlussreich sein.
Perfektion ist keine Voraussetzung für Liebe
Nach mehr als drei Jahrzehnten in der Partnervermittlung bin ich überzeugt: Viele gute Beziehungen beginnen nicht mit dem Gedanken „Genau so habe ich mir meinen Partner immer vorgestellt.“
Sie beginnen mit Neugier.
Mit einem Gespräch.
Mit Sympathie.
Und manchmal mit der überraschenden Erkenntnis, dass ein Mensch, der auf dem Papier zunächst nicht perfekt erschien, im wirklichen Leben sehr gut zu einem passt.
Das bedeutet nicht, die eigenen Ansprüche aufzugeben.
Es bedeutet, zwischen Ansprüchen und Ausschlusskriterien zu unterscheiden.
Persönliche Partnervermittlung kann einen anderen Blick ermöglichen
Ein Vorteil einer persönlichen Partnervermittlung liegt genau darin: Ein Mensch wird nicht nur anhand eines Fotos und einiger Daten beurteilt.
In unserer klassischen Partnervermittlung lernen wir die Menschen persönlich kennen. Dadurch können wir bei einem Partnervorschlag auch erklären, warum wir glauben, dass zwei Menschen zueinander passen könnten.
Manchmal lohnt es sich, jemanden kennenzulernen, der nicht jeden Punkt einer ursprünglichen Wunschliste erfüllt.
Denn letztendlich sucht man keine Liste.
Man sucht einen Menschen.
Fazit: Zu anspruchsvoll bei der Partnersuche?
Hohe Ansprüche sind vollkommen in Ordnung, wenn sie sich auf das beziehen, was eine gute Beziehung ausmacht.
Problematisch werden sie, wenn eine immer längere Liste von Kriterien dazu führt, dass echte Begegnungen kaum noch stattfinden.
Vielleicht lautet die wichtigste Frage bei der Partnersuche deshalb nicht:
„Erfüllt dieser Mensch alle meine Vorstellungen?“
Sondern:
„Bin ich neugierig genug, diesen Menschen wirklich kennenzulernen?“
Häufige Fragen zu hohen Ansprüchen bei der Partnersuche
Bin ich zu anspruchsvoll bei der Partnersuche?
Zu anspruchsvoll wird man nicht dadurch, dass man klare Vorstellungen hat. Problematisch kann es werden, wenn sehr viele einzelne Kriterien gleichzeitig erfüllt sein müssen und dadurch kaum noch Raum für eine echte Begegnung bleibt.
Sollte ich meine Ansprüche bei der Partnersuche herunterschrauben?
Nicht unbedingt. Bei wichtigen Werten wie Respekt, Verlässlichkeit, Vertrauen und gegenseitiger Anziehung sollte man keine falschen Kompromisse machen. Überprüfen kann man dagegen Kriterien wie Alter, Körpergröße, Beruf, Bildungsabschluss oder bestimmte Äußerlichkeiten.
Warum finde ich keinen Partner, obwohl ich viele Menschen kennenlerne?
Manchmal liegt es nicht an fehlenden Möglichkeiten, sondern daran, dass potenzielle Partner sehr schnell ausgeschlossen werden. Es kann helfen, sich zu fragen, welche Kriterien für eine glückliche Beziehung tatsächlich entscheidend sind.
Welche Ansprüche sind bei der Partnersuche wichtig?
Wichtiger als eine perfekte Übereinstimmung auf dem Papier sind ähnliche Werte, gegenseitiger Respekt, Verlässlichkeit, Anziehung und die Frage, ob beide eine ähnliche Vorstellung von Beziehung und Zukunft haben.
Sind Singles ab 50 bei der Partnersuche anspruchsvoller?
Viele Menschen wissen mit zunehmender Lebenserfahrung genauer, was sie möchten und was nicht. Gleichzeitig haben sie häufig ein eigenständiges Leben aufgebaut. Dadurch können die Vorstellungen konkreter werden – und manchmal auch die Zahl der Ausschlusskriterien.
Sollte man beim Dating die Altersgrenze großzügiger setzen?
Das kann sinnvoll sein. Das biologische Alter sagt wenig darüber aus, wie aktiv, neugierig oder unternehmungslustig ein Mensch ist. Oft ist die ähnliche Lebensphase wichtiger als eine bestimmte Zahl im Pass.
Kann eine Beziehung funktionieren, obwohl der andere nicht meinem „Typ“ entspricht?
Ja. Anziehung entsteht nicht ausschließlich durch Äußerlichkeiten. Stimme, Humor, Gestik, Ausstrahlung und das Gefühl im persönlichen Gespräch können dazu führen, dass ein Mensch plötzlich interessant wird, den man anhand eines Fotos vielleicht ausgeschlossen hätte.
Was ist bei der Partnersuche wichtiger als eine Wunschliste?
Offenheit für Begegnungen. Eine Wunschliste kann Orientierung geben, sollte aber nicht verhindern, dass man einen Menschen kennenlernt, der vielleicht anders ist als erwartet – und gerade deshalb gut zu einem passt.
Über Simone Janssen:
Simone Janssen ist Inhaberin der klassischen Partnervermittlung Wir 2 Partnertreff und seit über 33 Jahren in der persönlichen Partnersuche tätig. Als Expertin für Partnersuche & Beziehungen beschäftigt sie sich mit den Fragen, die Singles bei der Suche nach einer neuen Partnerschaft bewegen. In ihrem Podcast „Liebe ohne Filter“ spricht sie mit Expertinnen, Experten und Gästen über Liebe, Dating, Partnersuche und Neuanfänge.

